
Kennst du das? Du fasst den Entschluss, dich gesünder zu ernähren, mehr Sport zu treiben oder fokussierter zu arbeiten – & nach wenigen Tagen holt dich der Alltag ein. In meiner Coachingpraxis im 3. Bezirk in Wien & online begleite ich regelmäßig Menschen, die lernen wollen, ihre Umgebung so zu gestalten, dass zieldienliches Verhalten leichter gelingt.
Von Mag. Christine Hoffmann-Schütz · Executive Coach & Psychologin · Zuletzt aktualisiert: 03.08.2026
Ursprünglich stammt das Konzept des Nudgings (zu Deutsch: Stupser) aus der Verhaltensökonomie (Thaler & Sunstein, 2008). Es beschreibt die gezielte Gestaltung von Entscheidungsumgebungen, um Menschen zu vorteilhaften Entscheidungen zu bewegen – ohne sie einzuschränken oder Verbote auszusprechen.
Beim Self-Nudging wirst du selbst zur Architektin oder zum Architekten deiner Umgebung (Mertens et al., 2022). Um gezielte Stupser zu setzen, müssen wir zunächst verstehen, wie stark uns alltägliche Reize unbewusst steuern:
Unser Gehirn wählt gewohnheitsmäßig den Weg des geringsten Widerstands. Wenn wir unsere Umgebung gezielt umgestalten, fällt es uns drastisch leichter, Entscheidungen im Sinne unserer erwünschten Zukunft zu treffen.
Die verhaltenspsychologische & neurowissenschaftliche Forschung belegt, dass Self-Nudging eine der effektivsten Methoden zur nachhaltigen Verhaltensänderung ist:
Erfolg ist nicht nur eine Frage der Willenskraft, sondern auch das Ergebnis einer intelligent gestalteten Umgebung.
1. Platziere zieldienliche Erinnerungen in deiner Umgebung: Setze sichtbare Anreize, die das gewünschte Verhalten triggern. Lege dir z.B. deine Joggingbekleidung oder Laufschuhe schon am Vorabend direkt vor das Bett, wenn du frühmorgens laufen möchtest.
2. Gib deinen Entscheidungen einen bedeutsamen Rahmen: Verbinde kleine Alltagsentscheidungen mit deinen tiefen persönlichen Werten & langfristigen Zielen. Wenn du zwischen Couch & Sport schwankst, vergewissere dich deines großen WOFÜRs: Deine heutige Bewegung entscheidet darüber, ob du in 20 oder 30 Jahren noch vital mit deinen Kindern oder Enkeln spielen kannst. Begrüße jede Treppe als kleine Investition in deine Bewegungsfreude im Alter.
3. Verringere die Zugänglichkeit von Ablenkungen: Erhöhe die Hürde für Dinge, die dir langfristig nicht guttun. Wenn du deinen Smartphone-Konsum reduzieren möchtest, verändere die Voreinstellungen: Nutze App-Limits, aktiviere abends den Graustufenmodus oder erstelle einen automatischen Nicht-Stören-Fokus. Für gesündere Ernährung gilt: Kaufe Süßigkeiten nicht auf Vorrat, sondern nur für den direkten Verzehr.
4. Verbinde Sinnvolles mit Freudvollem (Temptation Bundling): Kopple eine notwendige oder gesundheitsfördernde Aktivität an etwas, das dir große Freude macht (Milkman et al., 2014; Milkman et al., 2021). Höre deinen Lieblingspodcast ausschließlich beim Joggen oder verabrede dich mit einer Freundin zu einem wöchentlichen Telefonat, das ihr beide spazieren gehend absolviert.
Das Konzept, sich selbst Stupser zu geben, ist auf nahezu alle beruflichen & persönlichen Ziele anwendbar. Im Coaching entwickeln wir maßgeschneiderte Systeme, damit deine Veränderungen leichtfallen und langfristig tragen:
Ob persönliche Lebensstilveränderung, nachhaltiges Zeitmanagement im Leadership oder der Wunsch, andere professionell bei Verhaltensänderungen zu begleiten: Echte Veränderung entsteht durch fundierte Psychologie.
Unter Nudging (zu Deutsch: Stupsen) versteht man in der Verhaltensökonomie und Psychologie die gezielte Gestaltung von Entscheidungsumgebungen (Choice Architecture), um das Verhalten von Menschen vorhersehbar in eine positive Richtung zu lenken (Thaler & Sunstein, 2008). Entscheidend dabei ist: Nudging verzichtet vollständig auf Verbote, Gebote oder finanzielle Anreize – die volle Entscheidungsfreiheit bleibt zu jedem Zeitpunkt erhalten. Beim Self-Nudging wendest du diese Methode auf dich selbst an.
Ein klassisches Beispiel im Alltag ist die Platzierung von frischem Obst auf Augenhöhe in einer Kantine, wodurch der Griff zu gesunden Snacks wahrscheinlicher wird als zur Schokolade am unteren Regalbrett. Ein Beispiel für Self-Nudging im persönlichen Kontext ist das Bereitstellen von Laufschuhen direkt vor dem Bett am Vorabend, um die Hürde für das frühmorgendliche Training drastisch zu senken.
In der Verhaltenspsychologie unterscheidet man verschiedene Arten der Umgebungsgestaltung:
Der Nudging-Effekt beschreibt die nachgewiesene Verhaltensänderung, die allein durch die kluge Anpassung der Entscheidungsumgebung ausgelöst wird. Eine groß angelegte Meta-Analyse von Mertens et al. (2022) belegt, dass Nudging-Interventionen eine signifikante & nachhaltige Wirkung auf Entscheidungen in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Konsum & digitaler Selbstregulation haben & das ganz ohne das Gefühl von Zwang oder Disziplinstress.