Wir alle wissen, wie gut es sich anfühlt, wenn uns Aufmerksamkeit, Anerkennung oder Dankbarkeit entgegengebracht wird. „The deepest principle in human nature is the craving to be appreciated.“, formulierte William James, ein US-amerikanischer Psychologe und Philosoph, bereits 1920.

Unzählige Studien bestätigen die positiven Auswirkungen einer auf gegenseitiger Wertschätzung beruhenden Team- und Unternehmenskultur auf Einsatz, Motivation, Arbeitszufriedenheit, Produktivität und Unternehmensidentifikation. Dieser Zusammenhang findet sich auch im Blut. Wenn Menschen Wertschätzung erhalten, löst das bei ihnen einen wunderbaren Hormoncocktail aus: Endorphine, vom Körper selbst produzierte Opioide, werden freigesetzt und fördern Wohlbefinden und Arbeitsfreude. Dopamin, ein überwiegend erregend wirkender Neurotransmitter des zentralen Nervensystems, steigert die individuelle Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Oxytocin stärkt das Wir-Gefühl im Team, erhöht die Unternehmensidentifikation und hilft bei der eigenen Stressregulierung. (u.a. Fredrickson & Losada, 2005; Lohaus, Rietz & Haase, 2013; Siegrist, 2015; Haller, 2019):

In meiner Coachingpraxis begegnen mir viele Menschen, die sich mehr Anerkennung wünschen. Ebenso spielt dieses Thema in jeder Teamentwicklung eine große Rolle. Gleichzeitig ist es selbst für Personen, denen die menschliche Sehnsucht nach Wertschätzung so präsent ist, nicht leicht, anderen ihre Sehnsucht zu erfüllen. Sie fühlen sich häufig unsicher dabei, anderen Komplimente zu machen oder Anerkennung für konkrete Leistungen auszudrücken. Wertschätzung verlangt Mut.

Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen dem eigenen Selbstwert und der Wertschätzung anderer (vgl. Hattie, 2013 & Rosenberg, 2016): Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl haben häufiger eine wertschätzende Haltung anderen gegenüber und erhalten im Gegenzug öfter Wertschätzung von anderen. Personen, die zum aktiven Mobbing neigen, versuchen hingegen häufig über die Abwertung anderer (erfolglos) ihren geringen Selbstwert zu kompensieren. Wertschätzung lohnt sich für beide Seite: Es steigert das Selbstwertgefühl bei der empfangenden und der gebenden Person.

Sollten Sie sich inspiriert fühlen, andere zukünftig mehr wertzuschätzen, können Sie dies auf vielen Ebenen tun: Streuen Sie emotionale Wertschätzung, indem Sie anderen freundlich begegnen, ihnen aktiv zuhören und ihnen einen Vertrauensvorschuss schenken. Vermitteln Sie informative Wertschätzung, indem Sie Ihr Arbeitstempo an die Deadlines anderer anpassen, Informationen rechtzeitig weitergeben und Entscheidungen erläutern. Geben Sie bewertende Wertschätzung, indem Sie Lob und Anerkennung aussprechen und andere bei ihrer Weiterentwicklung durch konstruktive und faire Kritik unterstützen. Praktische Wertschätzung vermitteln Sie durch Hilfsbereitschaft und konkrete Unterstützungsleistungen.

Beobachten Sie, wie Ihre Gegenüber auf Ihr Mehr an Wertschätzung reagieren und genießen Sie doppelt!

Wertschätzende Grüße

Christine Hoffmann