Unter Perfektionismus wird ein Persönlichkeitsstil verstanden, bei dem Personen sich selbst sehr hohe Leistungsstandards setzen, versuchen fehlerlos zu agieren und sich (und häufig auch andere) sehr kritisch bewerten.

Perfektionsstreben hat zwei Seiten: Die gute lässt Menschen über sich hinauswachsen, die schlechte hingegen macht Angst. Angst zu versagen.

Die ForscherInnen-Gruppe rund um Dana Harari fasst die Ergebnisse von 95 Studien in einer aktuellen Meta-Analyse (2018) zusammen.PerfektionistInnen leiden demnach deutlich häufiger unter Angst, Depression und Stress. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Burnout. Es fanden sich wenige Hinweise, dass PerfektionistInnen höhere Leistungen erbringen oder engagierter sind als ihre nicht nach Perfektion strebenden KollegInnen. Unterm Strich sei Perfektionismus sowohl für ArbeitnehmerInnen als auch ArbeitgeberInnen schädlich, so die Zusammenfassung der ForscherInnen-Gruppe.

Die meisten PerfektionistInnen haben ein geringes Selbstwertgefühl. Das eigene Wohlbefinden wird davon abhängig gemacht, ob es gelingt die eigenen hohen Anforderungen zu erfüllen.

Doch zu irren liegt in der Natur des Menschen. Unser Gehirn arbeitet nach einem simplen und genialen Prinzip: Mache Fehler und lerne daraus! Wir liegen beim ersten Anlauf nie völlig richtig. Als wir das erste Mal versucht haben, einen Ball zu fangen, ist das nur den wenigsten von uns gelungen. Das Gehirn justiert bei allem, was wir machen, ständig nach.

Wann haben Sie das letzte Mal Neues ausprobiert? Ein unbekanntes Instrument gespielt oder eine neue Sportart getestet? Wann haben Sie das letzte Mal etwas getan, das Sie vor ungewohnte Herausforderungen stellte? Hatten Sie dabei das Gefühl, Sie sollten es besser bleiben lassen? Angst, sich lächerlich zu machen? Das ist der Fluch des Perfektionismus. Statt uns am eigenen Tun zu erfreuen, haben wir Angst dumm dazustehen. Doch Fehler sind nichts Schlimmes – sie sind der Anfang unserer neuen Fähigkeiten.

Insofern wünsche ich Ihnen Mut, Neues zu wagen, und Weisheit, sich über Fehler als Zeichen Ihres Fortschritts zu freuen!

Herzliche Grüße
Christine Hoffmann