Wenn Menschen von anderen ignoriert und ausgeschlossen werden, nennt man dieses Phänomen Ostrazismus. Menschen sind extrem sensibel, wenn sie mit Missachtung gestraft, wie Luft behandelt oder ausgegrenzt werden. Wer sich ausgeschlossen fühlt, erlebt physischen Schmerz sowie gleichzeitig die Gefühle Wut und Trauer. 87% aller AmokläuferInnen waren zuvor wiederholt Opfer von Ostrazismus. Neben erhöhter Aggression und Traurigkeit schwinden auch Selbstregulations- und Konzentrationsfähigkeit

In meiner Arbeit mit Teams erlebe ich häufig, dass einzelne ausgeschlossen werden und als Projektionsfläche der ganzen negativen Emotionen der Gruppe herhalten müssen. Den Betroffenen ist häufig selbst der Grund für die Ausgrenzung nicht bekannt ist. Hinter dem Ausschließen verbirgt sich die positive Absicht, dem Ausgegrenzten seine „Schandtaten“ bewusst zu machen. Doch wie soll das gelingen, wenn ihm oder ihr niemand sagt, was missfallen hat? Den Ausgrenzenden ist wenig bewusst, welch großen „Schaden“ sie mir ihrem Tun anrichten. „Ich habe ja gar nichts gesagt.“, erhalte ich meist als Antwort auf meine Nachfrage.

Ostrazismus kann ein solch starkes Verlangen nach Zugehörigkeit auslösen, dass die moralische Unterscheidung zwischen gut und böse hintenan gestellt wird. Betroffene schließen sich manchmal radikalen Gruppen oder Sekten an.

Kleine Situationen von Ostrazismus erleben fast alle Menschen regelmäßig. Wir sprechen beispielsweise einem Bekannten auf die Box und warten vergeblich auf den Rückruf. KollegInnen planen auf ein Feierabendbier zu gehen und fragen uns (noch) nicht.

Menschen sind unterschiedlich feinfühlig für vermeintliche Zurückweisung. Selbstsichere Menschen sind besonders gut darin positive Signale aus ihrem Umfeld wahrzunehmen und negative zu übersehen. Menschen mit schwächerem Selbstwertgefühl interpretieren vieldeutige Situationen schneller als Kränkung.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass die meisten Situationen von Ostrazismus versehentlich passieren. Direkte Kommunikation hilft: „Ich habe keine Einladung bekommen. Wollt ihr unter euch sein oder kann ich euch begleiten?“ In den meisten Fällen wird sich zeigen, dass es sich bei der Nicht-Einladung um pure Gedankenlosigkeit handelte. Und wenn nicht, weiß man wenigstens woran man ist. (Metzger, 2018; Kashdan, 2014; Williams & Nida, 2011; Sommerville et al., 2010)