Weihnachten gilt als Fest der Liebe. In Zeiten, in denen „Social Distancing“ immer mehr zum Alltag wird und das große Weihnachtsfest möglicherweise nur auf virtuellem Wege stattfindet, steigt der Druck zumindest über Geschenke Nähe zu vermitteln. Laut einer bundesweiten eCommerce Studie des österreichischen Handelsverbandes ist Shopping am Smartphone 2020 beliebter denn je. Der Online Konsum verdoppelte sich.

Mit den wachsenden Konsummöglichkeiten und der großen Anzahl an zu Beschenkenden, bleibt wenig Zeit und Lust sich tatsächlich Gedanken über das Geschenk und die dahinterliegende Intention zu machen. Dabei wollen wir mit Geschenken meist unsere Zuneigung ausdrücken und die Beziehung festigen.

Häufig bedienen wir uns beim Schenken einer einfachen Strategie, die in der Spieltheorie als „Tit for tat“ Dilemma bekannt ist. Der Schenker orientiert sich hierbei am Wert der Geschenke, die er selbst im letzten Jahr erhalten hat. Häufig ist auch ein Gabenüberschuss zu finden, mit dem wir soziales Prestige ausdrücken, um nicht hinter dem Geschenk des anderen zurückzubleiben. Das gegenseitige Hochschaukeln um den Titel des Großzügigsten ist allerdings wenig freudvoll.

In meiner Coaching-Praxis sehe ich, wie bei vielen KundInnen der Weihnachtsstress schon Wochen zuvor startet. Die guten Gefühle beim Schenken gehen teilweise gänzliche verloren.

Schenken ist Kommunikation und ein Signal der Wertschätzung. Wenn wir uns auf die Intention fokussieren, anderen Glücksmomente zu bescheren, ist klar, dass gut durchdachte Geschenke mehr Zeit, als Geld erfordern.

In einer großen Familie oder an einem Arbeitsplatz mit vielen KollegInnen ist es schwer, sich für jedes einzelne Geschenk Zeit zu nehmen. Betrieben oder Großfamilien empfehle ich eine Form von Begrenzung, zum Beispiel mit Hilfe des Spiels „Engerl-Bengerl“. Hierbei werden die Namen aller Personen auf kleine Zettel geschrieben und jeder zieht blind eine zu beschenkende Person. Natürlich kann es dann sein, dass mensch diese Person nicht allzu gut kennt und es dadurch zunächst schwierig scheint ein passendes Geschenk zu wählen. Gleichzeitig kann diese Herausforderung als Chance genutzt werden, mehr über ein entferntes Familienmitglied oder die Kollegin zu erfahren und so den Zusammenhalt fördern.

Geschenke müssen nicht materieller Natur sein. Ich selbst schenke seit Jahren „nur“ Erlebnisgeschenke und unternehme mit Familienmitgliedern und FreundInnen Besonderes. So war ich mit meinem Sohn beispielsweise auf der Live-Tournee von „Die drei ???“, habe mit meinem Partner eine Tour durch die schönsten Wiener Bars gemacht und meinem Vater auf Indoor Sky Diving eingeladen.

Ein gemeinsames Erlebnis muss nicht teuer sein, sondern bedarf vielmehr sich mit den Vorlieben unserer Liebsten auseinanderzusetzen. Bewegungsjunkies, wie ich, freuen sich über eine gut vorbereitete Wanderung. Für kulinarisch affine Personen können Sie ein Menü zusammenstellen, das Sie gemeinsam kochen und genießen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf!

Ich wünsche Ihnen jedenfalls eine schöne Vorweihnachtszeit mit vielen Momenten der bewussten Freude!

Herzlichst,

Christine Hoffmann

Was hat „affektive Präsenz“ mit Covid-19 zu tun?

Affektive Präsenz beschreibt unsere emotionale Ausstrahlung. Wir Menschen sind emotional ansteckend und beeinflussen wechselseitig unser Befinden. Ständig infizieren wir andere mit unserer augenblicklichen Stimmung. Hat sich beispielsweise eine Mitarbeiterin über einen Kunden geärgert, kann ihr Ärger auf ihre KollegInnen abfärben. Diese Art von emotionaler Ansteckung schwankt wie unsere Gefühle selbst. Mal infizieren wir andere mit guter, mal mit schlechter Laune. Allerdings wirken negative Emotionen leider intensiver und Angst ist besonders ansteckend.

Covid-19 verunsichert viele Menschen. Bei der Analyse der damit einhergehenden Bedrohungen spielt im menschlichen Gehirn die Amygdala eine wichtige Rolle. Wenn dieser „Gefahrenriecher“ in Form eines Mandelkerns Alarm schlägt, werden Stresshormone ausgestoßen.

Der Ausstoß von Cortisol führt zu einer Verengung der Wahrnehmung. Alles Bedrohliche wird besonders intensiv wahrgenommen und es kommt zu einer Art Tunnelblick. Verstärkt wird dies dadurch, dass wir emotionsbasiert erinnern. Wenn wir bedrückt sind, fallen uns all jene Situationen ein, in denen wir ähnlich gefühlt haben. Was folgt, kennen viele Menschen als negative Gedankenspiralen. Unser Gehirn produziert, wie eine hängengebliebene Schalplatte, immer wieder ähnliche bedrückende Gedanken.

Zu den Stresshormonen zählt jedoch nicht nur Cortisol, sondern auch das Bindungshormon Oxytocin. Einigen von Ihnen ist vielleicht aufgefallen, dass Sie in der aktuellen Zeit ein verstärktes Kontaktbedürfnis haben. Wir telefonieren mit Bekannten, die wir lange nicht gehört haben, und sprechen intensiv über unsere Sorgen und Nöte. Dadurch, dass wir uns wechselseitig in unseren Gefühlslagen verstärken, wird eine negative Spiralwirkung in Gang gesetzt. Diese emotionale Ansteckung wird von manchen als Panik beschrieben. Ich beobachte mehr eine sich breit machende Verunsicherung und eine Verdüsterung der Grundstimmung vieler Menschen.

Es erfordert ein bewusstes Innehalten und aktive Willenskraft, um sich aus diesen Negativkreisläufen zu befreien. Beobachten Sie Ihren Gedankenstrom und schreiben Sie Ihre Gedanken auf. Mit unserem bewussten Verstand erkennen wir katastrophisierende Denkweisen und können sie leichter auflösen.

Besondere Zeiten brauchen besonders viel Selbstfürsorge.

Tun Sie sich auf vielfältige Weise Gutes und verbinden Sie sich bewusst mit dem Hier und Jetzt. Im Moment haben wir selten ein Problem. 

Achten Sie auf Ihr körperliches Wohlbefinden, denn dieses wirkt sich automatisch auf Ihre psychische Kraft aus. Ich unterrichte übrigens Sonntags um 18 Uhr sowie Dienstags um 7 Uhr mit Core Strength Yoga einen abwechslungsreichen Yoga-Flow, der Sie zum Lächeln und Schwitzen bringt. Starke Bauchmuskeln unterstützen uns auf zweitfache Weise dabei, gut aufgerichtet und selbstbewusst durchs Leben zu gehen.

Lenken Sie Ihren Aufmerksamkeitsfokus auf Stärkendes und Freudvolles! Auch in dieser Zeit gibt es vieles, das uns Sicherheit gibt.

Gerne unterstütze ich Sie auch mit einem psychologischen Coaching dabei, wieder in Ihre Mitte zu kommen.

Lassen Sie uns gemeinsam für einen positiven Virus sorgen! Infizieren wir andere mit Vertrauen, Zuversicht und Freude!

Herzliche Grüße

Christine Hoffmann

Wenn Menschen von anderen ignoriert und ausgeschlossen werden, nennt man dieses Phänomen Ostrazismus. Menschen sind extrem sensibel, wenn sie mit Missachtung gestraft, wie Luft behandelt oder ausgegrenzt werden. Wer sich ausgeschlossen fühlt, erlebt physischen Schmerz sowie gleichzeitig die Gefühle Wut und Trauer. 87% aller AmokläuferInnen waren zuvor wiederholt Opfer von Ostrazismus. Neben erhöhter Aggression und Traurigkeit schwinden auch Selbstregulations- und Konzentrationsfähigkeit

In meiner Arbeit mit Teams erlebe ich häufig, dass einzelne ausgeschlossen werden und als Projektionsfläche der ganzen negativen Emotionen der Gruppe herhalten müssen. Den Betroffenen ist häufig selbst der Grund für die Ausgrenzung nicht bekannt ist. Hinter dem Ausschließen verbirgt sich die positive Absicht, dem Ausgegrenzten seine „Schandtaten“ bewusst zu machen. Doch wie soll das gelingen, wenn ihm oder ihr niemand sagt, was missfallen hat? Den Ausgrenzenden ist wenig bewusst, welch großen „Schaden“ sie mir ihrem Tun anrichten. „Ich habe ja gar nichts gesagt.“, erhalte ich meist als Antwort auf meine Nachfrage.

Ostrazismus kann ein solch starkes Verlangen nach Zugehörigkeit auslösen, dass die moralische Unterscheidung zwischen gut und böse hintenan gestellt wird. Betroffene schließen sich manchmal radikalen Gruppen oder Sekten an.

Kleine Situationen von Ostrazismus erleben fast alle Menschen regelmäßig. Wir sprechen beispielsweise einem Bekannten auf die Box und warten vergeblich auf den Rückruf. KollegInnen planen auf ein Feierabendbier zu gehen und fragen uns (noch) nicht.

Menschen sind unterschiedlich feinfühlig für vermeintliche Zurückweisung. Selbstsichere Menschen sind besonders gut darin positive Signale aus ihrem Umfeld wahrzunehmen und negative zu übersehen. Menschen mit schwächerem Selbstwertgefühl interpretieren vieldeutige Situationen schneller als Kränkung.

Wichtig ist, sich bewusst zu machen, dass die meisten Situationen von Ostrazismus versehentlich passieren. Direkte Kommunikation hilft: „Ich habe keine Einladung bekommen. Wollt ihr unter euch sein oder kann ich euch begleiten?“ In den meisten Fällen wird sich zeigen, dass es sich bei der Nicht-Einladung um pure Gedankenlosigkeit handelte. Und wenn nicht, weiß man wenigstens woran man ist. (Metzger, 2018; Kashdan, 2014; Williams & Nida, 2011; Sommerville et al., 2010)